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Der Wiener Kinderarzt C. von Pirquet prägte am Beginn der 20. Jahrhunderts den Begriff Allergie. Die Bezeichnung stammt aus dem Griechischen: „allos“ = anders, „ergon“ = Reaktion. Doch Berichte über allergische Reaktionen fand man sogar schon bei den alten Ägyptern, die von einem Pharao berichten, der nach einem Insektenstich verstarb. Die Frage ist nun aber wie es zu diesen allergischen Reaktionen kommen kann? Normalerweise bewahrt uns das Immunsystem vor Fremdstoffen wie Viren, Bakterien und Pilzen. Es erkennt die nicht körpereigenen Substanzen und macht sie unschädlich. Nun gibt es aber auch gewisse „Fehlfunktionen“ des Immunsystems.
Einerseits kennen wir die Immunschwächekrankheit Aids, bei der das Immunsystem langsamer arbeitet und die Abwehrkraft geringer ist. Im Gegensatz dazu äußert sich die Allergie als eine Reaktion auf eine zu starke Abwehrkraft. Die Überreaktion des Immunsystems führt zur Allergie. Beteiligt an diesem Vorgang sind die so genannten Antigene (Allergene), die Antikörper des Immunsystems, die Mastzellen und die Mediatoren beteiligt. Mögliche Antigene des Menschen sind z.B.: Milben, Pollen, Schimmelpilze Lebensmittel, Haustiere, Insekten und Medikamente. Dieses Allergen gelangt meist durch die Schleimhäute in den Organismus. Sie regen nun die Bildung von Antikörpern an. Antikörper sind spezifische Abwehrstoffe, die sich jeweils nur mit einem bestimmten Antigen verbinden können. Je nach Vorkommen, Struktur und Funktion werden die Immunglobuline (Antikörper) in Ig A, G, M, D und E eingeteilt. An allergischen Reaktionen sind vor allem die IgE beteiligt, die sich im Blut des Menschen befinden, wobei die Konzentration im Normalfall gering ist und bei Allergien ansteigt. Auf den so genannten Mastzellen befinden sich Rezeptoren, an die IgE andocken können. Die allergische Reaktion wird in Gang gesetzt, wenn sich ein Allergen mit den Immunglobulinen E, die an der Mastzelle sitzen, verbindet. Mastzellen enthalten Botenstoffe (Mediatoren), die bei der Verbindung der Antikörper ausgeschüttet werden. Einer der wichtigsten Botenstoffe ist das bekannte Histamin. Aber nicht nur Histamin wird freigesetzt, sondern auch andere Stoffe wie Leukotrienen und chemotaktische Substanzen. Diese Substanzen führen zu Körperreaktionen wie Erweiterung der Blutgefäße, die eine Schwellung des Gewebes mit sich bringt, Verkrampfungen der glatten Muskulatur, die im Bereich der Lungen zu einem Asthmaanfall führen, Juckreiz und sinkendem Blutdruck.
Durch die IgE werden Allergien wie allergischer Schnupfen, Asthma, Nesselsucht, Durchfälle und Kreislaufstörungen verursacht. Diese Reaktionen werden unter dem Allergie Typ I eingeordnet. Der Allergie Typ II tritt z.B. nach Überreaktionen auf Medikamente auf. In diesem Fall binden sich die Allergene an körpereigene Zellen wie z.B. rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen oder Blutplättchen. Produziert nun das Immunsystem zellschädigende Antikörper zur Bekämpfung der Allergene werden auch die körpereigenen Zellen beschädigt. Die Folge ist z.B. ein Mangel an roten Blutkörperchen. Bei allergischen Reaktionen des Typ III handelt es sich um die Bildung eines so genannten Komplex, der sich aus Allergenen, Antikörpern und Komplement (vom Immunkomplex aktivierte Stoffe) zusammensetzt. Diese schädlichen Verbindungen verankern sich in verschiedenen Geweben des Körpers und verursachen schwere Zellschädigungen. Bildet sich ein Komplex im Blut, verstopft es beim Abtransport die Gefäßwände und führt zu ernsten Entzündungen. Ursprünglich trat diese Allergie vor allem nach Impfungen mit tierischen Seren auf (Serumkrankheit), heutzutage äußern sich diese Symptome hauptsächlich bei Medikamentenallergien. Am Auftreten des vierten Allergietyp sind im Gegensatz zu I, II und III keine Antikörper beteiligt. Vielmehr geht es um eine Verbindung von Allergenen mit körpereigenen Eiweißzellen. In den Lymphknoten werden Allergen spezifische Abwehrzellen produziert, die sich anschließend im Organismus verteilen. Bei erneutem Kontakt mit den Allergenen kommt es zu Reaktionen, die teilweise zellschädigend sein können. Vertreter des Typ IV sind Kontaktallergien, die sich in Juckreiz, Rötung, Bläschenbildung, nässenden Hautpartien und im schlimmsten Fall Blutungen realisieren.
Für alle vier Typen der Allergie gilt, der Vorgang vom ersten Kontakt mit einem bestimmten Allergen bis zur Bildung der Antikörper bzw. der Produktion spezifisch reaktionsfähiger Abwehrzellen wird als Sensibilisierung bezeichnet.
Zusammenfassend lassen sich folgende Merkmale für Allergien aufstellen:
1. Allergien entwickeln sich erst nach mehrmaligem Kontakt, nachdem bereits eine Sensibilisierung stattgefunden hat, mit der auslösenden Substanz.
2. Allergien werden durch das Zusammenspiel von Allergenen und körpereigenen Antikörpern ausgelöst.
3. Spezielle Körperzellen (Mastzellen) schütten bei einer allergischen Reaktion Botenstoffe (Histamin) aus, die zu schwerwiegenden körperlichen Reaktionen führen.
4. Allergische Reaktionen hängen von der Dosis, der Art der Aufnahme, der Häufigkeit der Aufnahme der Substanz und den genetischen Faktoren des jeweiligen Menschen ab.
© by bleibfit.at
Autor: Simone Arlits
Quellen:
Davies, Robert: Allergien: Ursachen – Diagnose – Behandlung. – Heidelberg: Spektrum d. Wiss. Verl. Ges., 1991.
Emsley, John: Wenn Essen krank macht. – Weinheim u.a.: Wiley VCH, 2000.
Jäger, Lothar: Allergien: Ursachen, Therapien, Vorbeugung. – München: Beck, 2000.
Kuzemko, Jan: Allergien bei Kindern: ein Elternratgeber. – Bergisch Gladbach: Lingen, 1995.